Endometriose: Was ist das?
Die Endometriose ist eine östrogen-abhängige und wuchernde, aber gutartige Erkrankung und betrifft Frauen, besonders während ihrer fruchtbaren Lebensphase. Bei einer Endometriose finden sich Teile der Gebärmutterschleimhaut (des Endometriums) nicht nur im Uterus wieder, sondern auch im umliegenden Bauch- und Beckenraum, in der Scheide, der Blase oder an den Eierstöcken. Diese Endometriose-Herde machen die hormonellen und körperlichen Veränderungen des Menstruationszyklus mit, ganz genauso wie das Endometrium im Uterus. Während der Periode kann es deswegen auch außerhalb der Gebärmutter zu Blutungen, Schmerzen und entzündlichen Reaktionen kommen. Woher die Endometriose genau kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Momentan liegt die Vermutung nahe, dass dabei mehrere Umstände zusammenspielen:
Zusätzlich gibt es einige Faktoren, die das Entstehen sowie den Verlauf von Endometriose beeinflussen können:
- Familiäre Häufung, denn haben weibliche Verwandte 1.Grades – Oma, Mama oder Schwester - Endometriose, ist die Wahrscheinlichkeit selbst daran zu erkranken, erhöht
- Kurze Menstruationszyklen
- Lange und/oder schmerzhafte Regelblutungen
- Zu wenig körperliche Betätigung
- Eine fettreiche Ernährungsweise sowie Übergewicht
- Ein unausgeglichener Hormonhaushalt, vor allem im Hinblick auf den Östrogen-Spiegel
- Kinderlosigkeit oder eine späte erste Geburt
- Intrauterine Eingriffe wie beispielsweise ein Schwangerschaftsabbruch
- Eine genetische Veränderung des Östrogen-Rezeptors α
- Rotes Haar
- Asiatische Abstammung
- Hormonaktive Substanzen wie zum Beispiel Dioxin
Die Symptome einer Endometriose sind unspezifisch. Das heißt, tritt eines der Merkmale auf, muss das nicht unbedingt auf eine Endometriose hindeuten. Liegt eine vor, hängt die Intensität der Symptome außerdem nicht davon ab, wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist. Denn kleine Herde können sehr starke Schmerzen auslösen, während weit fortgeschrittene Endometriosen beschwerdefrei verlaufen können. Ob eine Endometriose körperliche Beschwerden verursacht oder nicht, ist also sehr individuell.
- Dysmenorrhoe: Bis zu 88% der Betroffenen haben starke krampfartige Unterbauchschmerzen vor und während der Regelblutung.
- Menorrhagie: Lange und starke Regelblutungen sind ebenfalls ein typisches Anzeichen der Endometriose.
- Dyspareunie: Bis zu 76% der Betroffenen verspüren Schmerzen beim Sex, die oft brennend oder krampfartig sind.
- Unterbauchschmerzen: Über 80% der betroffenen Frauen geben an, Unterbauchbeschwerden zu haben, die nicht mit der Monatsblutung zusammenhängen.
- Dysurie und Hämaturie: Schmerzen beim Harnlassen oder Blut im Harn sind Begleiter vieler Endometriose-Patientinnen.
- Abdominalbeschwerden: Darmbeschwerden (z.B. Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen) Übelkeit oder Erbrechen sind ebenfalls Symptome, die bei einer Endometriose auftreten können.
Neben diesen deutlich wahrnehmbaren Symptomen, kann eine Endometriose auch die weibliche Reproduktionsfähigkeit beeinträchtigen. Denn Verklebungen an den Eierstöcken, die Bildung von Zysten oder immunologische Veränderungen sind mögliche Begleiterscheinungen der Endometriose und können sich auf die Fertilität auswirken.
Da es für eine Endometriose keinen eindeutigen Auslöser und eine Vielzahl unspezifischer Symptome gibt, ist die Endometriose-Diagnose oft eine Herausforderung. Durchschnittlich ist eine Frau 28 Jahre alt, wenn Endometriose diagnostiziert wird. Gleichzeitig liegt der Zeitraum vom Auftreten der ersten Anzeichen bis zur tatsächlichen Diagnose zwischen 4 und 9 Jahren – eine lange Zeitspanne, wenn man bedenkt, wie schwerwiegend sich eine Endometriose auf den weiblichen Körper auswirken kann. Das Problem bei der Sache ist: Umso später die Endometriose entdeckt wird, umso weiter können körperliche Veränderungen fortschreiten. Das kann in stärkeren Beschwerden resultieren und intensivere Therapien nötig machen.
Die Endometriose-Diagnose vereint verschiedene Methoden. Dazu können ein Anamnese-Gespräch zur Klärung der Symptome, eine gynäkologische Untersuchung und ein Ultraschall zur Beurteilung des Bauchraums sowie zur Identifikation möglicher Endometriose-Herde gehören. Auch eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) des Unterbauchs sowie eine Laboranalyse auf bestimmte Entzündungsmarker können das Vorliegen einer Endometriose aufdecken. Der Goldstandard zur Diagnose und gleichzeitige Therapiemöglichkeit ist die Bauchspiegelung. Bei Endometriose-Verdacht werden dabei aus dem Bauchraum Gewebeproben entnommen, durch welche das Vorliegen der Erkrankung histologisch nachgewiesen werden kann. Darüber hinaus kann im Zuge der Bauchspiegelung Endometriose-Gewebe direkt operativ entfernt werden, da diese in der Regel unter einer kurzen Vollnarkose durchgeführt wird.
Gibt es bei Endometriose Behandlungs-Möglichkeiten?
Momentan gibt es bei Endometriose keine Möglichkeit zur vollständigen Heilung. Verschiedene Ansätze können einer Frau bei ihren individuellen Beschwerden aber Unterstützung bieten. Macht sich die Endometriose nicht körperlich bemerkbar und steht kein unerfüllter Kinderwunsch im Raum, ist eine Behandlung jedoch nicht zwingend notwendig.
Endometriose, die Pille und weitere Medikamente[5]
Eine medikamentöse Therapie kann besonders bei krampfartigen Schmerz-Symptomen angewendet werden. Neben schmerzlindernden und entzündungshemmenden Arzneimitteln finden dabei vor allem auch hormonelle Präparate Anwendung. Gestagene, Ovulationshemmer oder die „Pille“ können die Gewebebildung außerhalb der Gebärmutter positiv beeinflussen. Außerdem können diese Medikamente dazu beitragen, vorhandene Endometriose-Herde zu verringern und die Entwicklung neuer Herde zu verhindern. Hinsichtlich einer Hormontherapie sollten aber mögliche Nebenwirkungen nicht unbeachtet bleiben. Bei leichten Endometriose-Beschwerden ist die Pille eine beliebte Therapieoption, da sie meist gut verträglich ist. Die Pille reguliert den Monatszyklus und unterdrückt die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Dadurch kann sie beispielweise bei häufigen, aber mäßig starken Unterleibbeschwerden Erleichterung verschaffen.
Die Pille
Bei stärkeren Symptomen können weitere hormonelle Präparate hilfreich sein. Zu diesen gehören Gestagene, wie sie in der 3-Monats-Spritze verwendet werden oder auch GnRh-Analoga (Gonadotropin-releasing-Hormone-Analoga). Sie unterdrücken nicht nur die körpereigene Östrogenproduktion, sondern auch die Regelblutung, da durch das fehlende Östrogen keine Gebärmutterschleimhaut mehr aufgebaut wird.
Bauchspiegelung bei Endometriose[5]
Steht ein unerfüllter Kinderwunsch mit Endometriose in Verbindung, kann eine Bauchspiegelung wirksam sein. Bei Endometriose ist sie die optimale Methode, um die Erkrankung histologisch zu bestimmen und gleichzeitig bestehende Symptome zu verringern. Die Bauchspiegelung ist eine invasive Maßnahme, bei der gleich mehrere Ziele fokussiert werden:
Eine Bauchspiegelung ist zwar ein operativer Eingriff, wird jedoch laparoskopisch durchgeführt. Unter Vollnarkose wird dabei ein kleiner Schnitt im Nabelbereich gesetzt. Durch diesen wird das Laparoskop, ein dünnes Instrument mit einer Kamera, in die Bauchhöhle eingeführt. Dieses gibt ein Bild des Bauchraums, auf dem Endometriose-Herde, Verwachsungen oder Zysten entdeckt werden können. Mit einer Wärmequelle, wie beispielsweise einem Laser, können diese Auffälligkeiten dann entfernt bzw. gelöst werden.
Myome sind gutartige Knoten in der Muskelschicht der Uteruswand, dem Myometrium. Bei einer Adenomyose bestehen diese Knoten nicht nur aus Muskelzellen, sondern schließen auch Teile der Gebärmutterschleimhaut mit ein. Diese so genannten Adenomyome können dazu führen, dass das umliegende Gewebe der Uteruswand anschwillt und es zu einem vergrößerten Uterus kommt.
Die Adenomyose und die Endometriose haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber doch in manchen Details. Bei beiden Erkrankungen findet sich Gewebe des Endometriums dort, wo es eigentlich nicht hingehört. Bei der Endometriose tauchen Endometriose-Herde zum Beispiel im Bauchraum, in der Scheide oder an den Eierstöcken auf, also außerhalb des Uterus. Im Gegensatz dazu sind Adenomyome in der Uteruswand eingeschlossen. Da sich sowohl die Endometriose als auch die Adenomyose östrogen-abhängig entwickeln, können sich die jeweiligen Herde mit der Menopause, wenn sich der Hormonhaushalt neu einstellt, von selbst zurückbilden. Damit verschwinden meistens auch die jeweiligen Symptome.
Die Ursache für eine Adenomyose konnte bis jetzt noch nicht gelüftet werden. Die häufigste Theorie besagt, dass es innerhalb der Gebärmutter beim Übergang von Gebärmutterschleimhaut zu Uteruswand durch eine mechanische Schädigung zu einem Einschluss von Endometrium-Gewebe kommt. Davon ausgehend könnten sich dann Adenomyome bilden. Das Krankheitsbild von Endometriose und Adenomyose überschneidet sich in vieler Hinsicht. Denn krampfartige Schmerzen, starke und lange Regelblutungen, sowie eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit können sowohl eine Endometriose als auch eine Adenomyose begleiten. Adenomyome können zusätzlich für einen druckempfindlichen und vergrößerten Uterus sorgen.
Die Diagnose einer Adenomyosis uteri vereint Methoden, die auch bei der Diagnose einer Endometriose eingesetzt werden. Eine Anamnese, ein Ultraschall oder ein MRT können Aufschluss darüber bieten, ob eine Adenomyose vorliegt. Dadurch ist ein vergrößerter Uterus erkennbar. Bild von Uterus Für die Behandlung einer Adenomyose stehen ähnliche Optionen zur Verfügung, wie bei einer Endometriose. Neben schmerzstillenden Arzneimitteln, Hormon-Präparaten und einer Laparoskopie, kann aber auch die komplette Entfernung der Gebärmutter, eine Hysterektomie, als Behandlungsmaßnahme in Frage kommen. Denn hat eine betroffene Frau keinen Kinderwunsch, jedoch besonders starke körperliche Beschwerden, ist eine Hysterektomie die effektivste Methode, um einer Adenomyosis uteri nachhaltig entgegenzuwirken.
Sowohl die Endometriose als auch die Adenomyose können die Reproduktionsfähigkeit einer Frau nachweislich beeinträchtigen.
20 bis 71% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben Endometriose. Studien zeigen, dass die Fertilität der Betroffenen im Vergleich zu gesunden Frauen pro Zyklus um die Hälfte reduziert sein kann. Bei einer milden Endometriose liegt zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines halben Jahres schwanger zu werden, bei 28%. Ist die Endometriose schwerer ausgeprägt, sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft kontinuierlich. Für Endometriose-Patientinnen mit Kinderwunsch kommt eine Hormontherapie zur Behandlung der Endometriose nicht in Frage, da dabei die Funktion der weiblichen Reproduktionsorgane unterdrückt und damit die Fruchtbarkeit herabgesetzt wird. Hoffnung gibt es aber trotzdem. Denn durch eine Bauchspiegelung können bestehende Endometriose-Herde weitgehend entfernt werden. Trotz Endometriose kann sich so die Chance auf eine Schwangerschaft verbessern. Bleibt das Wunschkind dennoch aus, kann auch eine künstliche Befruchtung mittels einer In-vitro-Fertilisation (IVF) in Frage kommen.
Auch eine Adenomyose kann das Empfängnisvermögen einer Frau beeinträchtigen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass das Vorhandensein von Adenomyomen auch die Rate an ausgetragenen Schwangerschaften reduziert. Bei Adenomyose-Betroffenen wurde während der Schwangerschaft eine um 50% erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt sowie gehäuftes Auftreten von frühzeitigen Wehen und vorzeitigem Blasensprung beobachtet. Um den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Adenomyose, Schwangerschaft und Fruchtbarkeit sowie den zugrunde liegenden Mechanismen zu klären, fehlen jedoch weitere fundierte Studienergebnisse.
Eine Endometriose kann, muss sich aber nicht körperlich bemerkbar machen. Symptome wie akute oder chronische Unterleibschmerzen, lange oder starke Regelblutungen, starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen können Anzeichen für eine Endometriose sein.
Verfasst von
Einzelnachweise
- Schindler A. E.; Epidemiologie, Pathogenese und Diagnostik der Endometriose; Journal für Fertilität und Reproduktion 2007;17(4);22-27.
- Huch R., Jürgens K. D.; Mensch, Körper, Krankheit; Elsevier GmbH 2015; Aufl 7
- Pizzorno J., Murray M.; Textbook of Natural Medicine; Elsevier GmbH 2013, Aufl 4
- Manonopoulos K., et al.; Endometriose und Infertilität; Journal für Reproduktionsmedizin und Fertilität 2005;2(5);291-295.
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK);https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/weibliche-sexualorgane/endometriose-ursachen.html; abgerufen am 15.07.2022
- EVA - Endometriose Vereinigung Austria e.V.; Ernährungsinformation Endometriose
- Rabe T., et al.; Adenomyosis uteri; Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 2017;14(5);211-218.
- Nawroth F.; Adenomyose; Springer Medizin Verlag GmbH 2018;https://www.springermedizin.de/emedpedia/reproduktionsmedizin/adenomyose?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-55601-6_36; abgerufen am 18.07.2022
- Husslein H., et al.; Aktuelles zur Adenomyosis uteri; Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2017;35(2);8-12.
- Leone Roberti Maggiore U., et al.; A systematic review on endometriosis during pregnancy: diagnosis, misdiagnosis, complications and outcomes; Human Reproduction Update. 2016;22(1):70-103.
- Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) 2018;https://www.frauenaerzte-im-netz.de/; abgerufen am 18.07.2022